Bibel mit Biss
Bibel mit Biss
„Es lohnt sich Veränderungen zu wagen“
Am 23. März 2023 gab es in den evangelischen Kirchen in Bayern die Aktion „Einfach heiraten“. Das Angebot: Eine kleine, spontane Mini-Hochzeit in der Kirche, ohne Anmeldung, etwa 20 Minuten lang, abzuholen für alle, die interessiert sind. „Es kamen Leute“, erzählt Dr. Steffen Bauer. Der pensionierte Theologe ist der diesjährige Gast bei Bibel mit dem Biss, dem beliebten und etablierten Format in Oftersheim. Neben einem theologischen Vortrag kommt hierbei auch die Kulinarik nicht zu kurz und BesucherInnen können sich an einem reichhaltigen Buffet bedienen. Bei der Begrüßung beschreibt Mitorganisatorin Martina Aßmann das Programm als Rundumpaket, das „für Körper, Geist und Seele schmackhaft“ ist, so Aßmann.
Zwischen Kerzenschein und leisem Geschirrklappern beginnt der Vortrag im gut gefüllten evangelischen Gemeindehaus. „Warum wurde das Angebot einfach zu heiraten so gut angenommen“, fragt sich der Referent Steffen Bauer. Im Jahr 2023 ließen sich so spontan 258 Paare kirchlich trauen, im darauffolgenden Jahr waren es sogar 700, die sich einen Segen to-go abholten. „Die Menschen wollten den Segen, das war deutlich zu sehen, sie wollten ihn nur anders als es üblich ist. Sie wollten keine große Feier, keine großen Ausgaben und viele von ihnen waren auch froh, dass sie nur zu zweit waren, ohne Angehörige.“, führt Bauer aus. Was er daraus zieht: „Heute ist die Welt anders“ und daran müsse sich auch die Kirche und ihr Angebot anpassen. Bisher wurde immer nur eine Art der Nachfrage in der Kirche bedient. Am Beispiel Hochzeiten sind das große Feiern mit festlichem Traugottesdienst, dass es da aber auch andere Wünsche und Vorstellungen gibt, habe das Projekt deutlich gezeigt. Und so sei es auch in anderen Bereichen der Kirche: Um andere Zielgruppen zu erreichen, muss es auch ein anderes Angebot geben, betont Steffen Bauer. Ihm ist der Balanceakt hierbei bewusst „das ist schwierig, denn ich möchte neue Angebote haben aber gleichzeitig auch nicht alles anders machen, sonst vergraule ich die, die im Moment kommen“.
Teil der Veränderung sind auch viele Aushandlungsprozesse, Trendwenden und Neu-ausrichtungen. „Das kann weh tun aber diese Fragen müssen diskutiert werden und es müssen Lösungen gefunden werden, sonst optimiert sich die Kirche zu Tode“, zeigt Bauer die Folgen drastisch auf. Als Beispiel erzählt er von regionalen Zusammenschlüssen der Kirche und illustriert das an Fußballvereinen. „Welcher Ortsverein, möchte denn gerne plötzlich mit denen aus dem Nachbarort zusammenspielen – das sind doch Erzfeinde. Normalerweise haben die sich nach den Spielen verprügelt und dann sollen sie plötzlich ein Team sein?“, erzählt er schmunzelnd. Auch wenn es nicht so drastisch in der Kirche ist und es noch keine Schlägereien mit den Nachbargemeinden gab, so ist die Grundthematik die gleiche. Doch hier sagt Bauer „Es lohnt sich Veränderungen zu wagen, denn die Strukturen sind veränderbar.“
An den einstündigen Vortrag schließt sich eine rege Fragerunde des Publikums an. Der Vortrag unter dem Motto „Relevanz von Kirche und Glaube in der Gesellschaft“ kam gut beim Publikum an, das seinen Gedanken und Fragen an Steffen Bauer freien Lauf lässt. „Muss die Kirche nicht doch etwas gleichbleiben“, Ist die Ehe nicht zu wichtig, um den Segen dafür to go in 20 Minuten zu erteilen“ oder sei es nicht anmaßend darüber zu urteilen? Die Fragen aus dem Publikum haben gezeigt, wie passend und aktuell das Thema gewählt war und, dass es alle umtreibt und beschäftigt.
Musikalisch wurde der Abend von Tatjana Kontorovich und Otmar Wiedenmann-Montgomery auf dem Klavier begleitet. Ein herzliches Dankeschön gilt auch dem Organisationsteam unter der Leitung von Martina Aßmann, das schon zwei Tage im Voraus mit den Vorbereitungen begannen: Birgit Coen, Maria & Walter Gärtner, Annette Conrad, Veronika Simon-Bofinger und Elke Wieder ohne die solch eine Veranstaltung nicht möglich wäre.
(Hannah Gieser)





























