Erntedank 2020

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Man soll die Feste feiern wie sie fallen, heißt es. So ist es auch im Herbst. Gestern haben wir das Erntedankfest gefeiert – in einer prächtig geschmückten Kirche, mit tollen Blüten, reichen Farben, vielen Erntegaben, fröhlichen Liedern und einem musikalischen Geburtstagsgruß, über den ich mich sehr gefreut habe.

Erntedank. In diesem Jahr fällt das vielen wohl nicht so leicht – Danken für die Ernte. Viele Obst- und Weinbauern haben große Einbußen gehabt durch die Witterung. Apfelblüten sind erfroren, die Weizenernte macht vielerorts Probleme. Es gab Trockenheit oder Hagel und anderes und für manch einen hat das zum Totalausfall geführt. Trotz allem – wir haben bei uns genug zu essen, während Menschen in vielen Ländern Hunger leiden. Hunger und Armut auf der einen Seite, Fülle auf der anderen. Am Erntedankfest wird beides gesehen. Und vor Gott gebracht: Mühe und Arbeit und auch Scheitern, aber andererseits auch Überfluss, Segen und die Tatsache, dass wir reich beschenkt sind.
Mich erinnert das Erntedankfest daran, wie schnell ich mich an vieles gewöhne, es für selbstverständlich halte. Dabei ist nichts selbstverständlich. Wenn ich morgens aufstehen kann, ist das nicht selbstverständlich. Wenn jemand ein gutes Wort für mich hat, ist das nicht selbstverständlich. Es ist etwas, wofür ich dankbar sein und Danke sagen kann. Dass mein Glaube mir immer wieder Hoffnung gibt, ist nicht selbstverständlich. Auch dafür kann ich danken. Und auch beim Essen habe ich Grund zu danken: Dass ich genug zu Essen und Trinken habe. Dass ich köstliche Speisen schmecken und genießen kann und nicht zuletzt, dass es Menschen gibt, die Landwirte sind aus Berufung und keine Mühe scheuen. All das ist Grund zum Danken.

Deshalb feiern wir das Erntedankfest. Auch wenn es für viele ein hartes Jahr war, pandemiebedingt. Und dabei haben wir Hoffnung für das kommende Jahr: Dass wir auch dann bekommen, was wir zum Leben brauchen und es mit anderen teilen können. Auch in diesem Jahr hat uns die Bäckerei Schnabel als Zeichen dafür ein besonderes Brot gebacken. Ein duftendes Brot, verziert mit Teig, die Ähren darstellen. Sie backen dieses immer mit besonderer Liebe und Sorgfalt. Jede Zutat – ein Geschenk von Gott. Ein Brot, das man teilen und gemeinsam genießen kann.

Leider müssen wir aber auf das Teilen von Brot und Kelch am Tisch des Herrn immer noch verzichten. Wir haben im Gottesdienst inne gehalten und uns daran erinnert, was Jesus uns aufgetragen hat: Gemeinschaft zu haben in Brot und Kelch, zu seiner Erinnerung. Ein berührender Moment. Wie im Evangelium (siehe auch meine Gedanken dazu im Anhang) sorgt Jesus behutsam dafür, dass niemand hungern und dürsten muss. Niemand muss leer ausgehen. So auch gestern nicht: erstmals gab es als „Wegzehrung“ ein Abendmahl zum Mitnehmen in Form von Trauben und einem Stück Brot im Weckglas.

Dankbar wurden beinahe alle Gläser mitgenommen – einige wenige sind übriggeblieben.
Ja, man sollte die Feste feiern, wie sie fallen, finde ich. Auch die kleinen Feste, das eigene Erntedank, was ich erreicht oder empfangen habe. Wofür sind Sie dankbar? Vielleicht entdecken wir neu Dinge, die so selbstverständlich gar nicht sind und die einen dankbar machen. In diesem Sinne: Auch Ihnen ein gesegnetes Erntedankfest!

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