7 Wochen ohne Pessimismus – Zuversicht!

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Wir sind mitten in der Passionszeit. Wie in jedem Jahr begleitet mich der Fastenkalender unserer evangelischen Kirche. 7 Wochen ohne Pessimismus – das fordert mich in diesem Jahr besonders heraus.
Soll ich lächelnd durch meinen Tag schweben, immer freundlich, ein Lied auf den Lippen: don’t worry, es wird schon alles gut? Und dabei merke ich, wie sich unser gesellschaftliches, kirchliches und privates Leben immer mehr einschränkt – unsere Kirche ist nicht mehr für Gottesdienste geöffnet, unsere Kreise finden nicht mehr statt, Menschen können einander nicht mehr begegnen, sondern müssen zu Hause bleiben, bedroht von einer gefährlichen Krankheit, Menschen erkranken, manche sogar schwer… Zuversicht? Ist das nicht ein bisschen arg weltfremd und naiv?
Ich glaube: weltfremdes naives Lächeln ist nicht gefragt. Darauf kann ich getrost verzichten. Verzichten kann ich aber auch auf die Weltuntergangs- und Hassbotschaften, die Sorgenvermehrer und die Angsteinflüsterer. Die Folgen der Angst haben manchmal schreckliche Auswirkungen. Und das Virus schränkt mein Leben massiv ein. Ich mache mir wenig Sorgen um mich selbst, aber ich mache mir Sorgen um Menschen, die mir lieb sind und die deutlich älter sind als ich oder eine oder mehrere Grunderkrankungen haben. Da hilft kein Lächeln.
Und doch: 7 Wochen ohne Pessimismus, das heißt doch: 7 Wochen mit Vertrauen und mit dem Mut, meine Sorgen abzugeben. Ich habe ja letzten Endes mein Leben sowieso nicht in der Hand. Aber es gibt einen, der es in seinen Händen hält. Er hat die Welt erschaffen und mich ins Leben gerufen. Er ist auch jetzt da. In der Kirche. In jedem Krankenzimmer. Bei uns allen zu Hause in Quarantäne oder im Alltag. In meinen dunklen Stunden. In der Angst und in der Einsamkeit. Im Supermarkt vor den leeren Regalen. Und auch dort, wo Menschen ihre Angst in Wut und Aggression kehren. Ich glaube: Er ist da und lässt uns nicht allein. Gerade jetzt nicht.

Martin Luther soll gesagt haben: Dass die Vögel der Sorge und des Kummers über deinem Haupt fliegen, kannst du nicht ändern. Aber dass sie Nester in deinem Haar bauen, das kannst du verhindern.

Die Sorgen sich nicht bei mir in meinem Herzen einnisten zu lassen, das finde ich ein schönes Bild. Gott sorgt für mich, darum kann ich ihm meine Sorgen anvertrauen. Meine Sorge um mein eigenes Leben, meine Gesundheit und die Gesundheit meiner Lieben. Meine Traurigkeit darüber, dass es im Moment keine Gottesdienste, keine Konzerte, keine menschlichen Begegnungen gibt. Meine Sorge, dass ich vielleicht nicht mehr bekomme, was ich brauche. – Ich kann ihm alles anvertrauen und spüre: ich bin nicht allein. Er ist da – und auch andere Menschen sind da, mit denen ich verbunden bleibe, zum Beispiel hier im Netz oder am Telefon oder per Mail.

Lassen Sie uns die Zuversicht stärken. Oder, wie es in einem Kirchenlied heißt: Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht (EG 369).

Ihre Pfarrerin Sibylle Rolf

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